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Stick To Your Guns      zu Rock | Pop   |   letzte Seite
 
 
Stick To Your Guns

Seit ihrer Gründung vor 14 Jahren gelten Stick To Your Guns als eine der abwechslungsreichsten Modern-Hardcore-Bands, die Persönliches und Politisches in furiose Mosh-Breakdowns, kraftvolle Refrains und Singalongs am laufenden Band verpacken. War der bislang letzte Release, die 2016 erschienene EP „Better Ash Than Dust“, noch mehr sozialkritischer Kommentar, kehrt das Quintett um Sänger und Shouter Jesse Barnett auf ihrem neuen Album „True View“, das am 13. Oktober 2017 über End Hits Records erschienen ist, den Blick wieder mehr nach innen. Dass sich die Beschäftigung mit Gefühlswelten schon seit der ersten EP „Compassion Without Compromise“ von 2004 wie ein roter Faden durch das Schaffen von Stick To Your Guns zieht, stellt Gitarrist Josh James klar: „Unsere Musik, unsere Texte, unsere Botschaft, ja, unsere Existenz als Band ist die Reflektion unseres Innersten und der Verarbeitung der Welt, in der wir leben.“

Der Durchbruch gelingt der jungen Hardcore-Band mit „The Hope Division“, das ihr nicht nur ihr erstes festes Line-up, sondern auch einen Deal mit der Metal-Institution Sumerian beschert. Der Nachfolger „Diamond“ von 2012 ist es schließlich, der die Band auch beim Publikum als absolutes Modern-Hardcore-Bollwerk etabliert und dessen Artwork eines der signifikantesten Symbole der Hardcore-Szene der 2010`er Jahre darstellt. Nach einem weiteren Album für Sumerian und einem kurzen Intermezzo seitens Barnett mit seiner Posthardcore-Band Trade Wind stehen 2017 die Zeichen wieder komplett auf Stick To Your Guns. Mit End Hits Records hat das Quintett nicht nur ein frisches und hungriges Label in Europa gefunden, sondern mit dem Album „True View“ auch ihr wohl bisher reflektiertestes Werk geschaffen, das es trotz seiner kompromisslosen Art hinein in die deutschen Media Control Charts schaffte. „Etwas, dass mir bei Menschen und auch einem Großteil meiner Freunde und Bekannten auffällt, ist die Tatsache, dass niemand wirklich komplett ehrlich zu sich selbst ist“

, erklärt Barnett den Albumtitel und die dazugehörige Erkenntnis. „Jeder denkt, er hätte recht, niemand gelingt es, seine Selbstwahrnehmung korrekt einzuschätzen. Auch ich war unglaublich egoistisch und habe getan, was mir am besten in den Kram gepasst hat. Dadurch habe ich in den letzten Jahren viele der wichtigsten Dinge in meinem Leben verloren und ich konnte mich nicht mehr verstecken; ich musste mich meinen Fehlern stellen. Das war das Härteste, was ich bis jetzt in meinem Leben durchmachen musste.“

Entsprechend wuchtig gestaltet sich „True View“ auch nach den ersten Minuten. Denn wo „3 Feet From Peace“ noch mit singendem Posthardcore und kratzigem, aber melodischen Gesang beginnt, schwappt der Album-Opener in den letzten Sekunden in einen heftigen Moshpart über. Dieser bereitet den Weg für „The Sun, The Moon, The Truth: Penance Of Self“, den ersten Teil einer Songtrilogie über den Weg der Erkenntnis, den Barnett und seine Mitmusiker die letzten Jahre gehen mussten. Doomiger Gesang und kehliges Shouting unterfüttern wuchtige Hardcore-Grooves der Marke Comeback Kid und The Ghost Inside, während Barnett sich seine Fehler in Textzeilen wie „Break me down, the only way I’ll learn“ eingesteht. Der enorm hohe Energielevel, den die Band hier etabliert, bleibt über die Länge der gesamten Platte konstant – ob im thrashigen „Cave Canem“, dem von an Thrice erinnernden Klargesang getragenen „56“ oder dem brachial-melancholischen Hardcore-Walzer „Through The Chain Link“. Mit „True View“ liefern Stick To Your Guns einen schlagkräftigen Beweis dafür, wie wichtig das Quintett für die heutige, sich gerne in Oberflächlichkeiten verlierende Hardcore-Szene ist. „Egal, wie man die Platte findet, sie war für uns notwendig“, sagt Barnett. „Dieses Album musste geschrieben werden, und ich bin froh, dass es passiert ist.“

 
   
     
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